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JJ Allkampf
Der Ju-Jutsu Allkampf ist die Vollkontaktvariante und konsequente Weiterentwicklung des Ju-Jutsu Fighting-Systems. Tritt- und Schlagtechniken zum Kopf sind ausschließlich im Leichtkontakt anzubringen, zum Körper und zu den Beinen ist harter Kontakt erlaubt (Wirkungstreffer). Trefferfläche ist grundsätzlich der gesamte Körper (Vorder- und Rückseite). Erlaubt sind im Stand und in der Bodenlage Schlag-, Tritt-, Knie-, Kopf-, Ellenbogen, Wurf-, Hebel-, Würge-, Halte- und Nervendrucktechniken, jedoch sind Kopf- und Ellenbogentechniken nur zur Vorderseite des Oberkörpers und den Beinen zugelassen. Im Gegensatz zum JJ Fighting-System, darf im Allkampf auch nach der Kontaktaufnahme zum Gegner und im Bodenkampf geschlagen und getreten werden.

Erlaubte Techniken sind z.B.:

  • Low-Kick
  • Knie und Ellbogen gegen Körper und Beine
  • Genickbeugehebel
  • Würgen mit dem Unterarm
  • Griff über Mund und Nase, um die Atmung zu erschweren
  • Dem Gegner die Jacke über den Kopf ziehen
  • Würgetechniken mit den Beinen oder Füssen

Die Wettkämpfe werden mit entsprechender Schutzkleidung durchgeführt. Das Tragen von Mund- und Tiefschutz ist ebenso Pflicht, wie ein Spann- und Schienbeinschutz und entsprechende Box- und Fasshandschuhe.

Ein Kampf dauert regulär 2 Runden à 2 Minuten, mit einer Minute Pause. Im Finale werden 3 Runden à 2 Minuten gekämpft.

Nach Ablauf der regulären Kampfzeit gewinnt der Kämpfer, der die höhere Gesamtpunktewertung erreicht hat. Bei gleichstand der Punkte gewinnt der Kämpfer, der in einer Verlängerung zuerst fünf Punkte erzielt. Eine vorzeitige Kampfentscheidung ist in folgenden Situationen möglich:

  • Wenn ein Kämpfer aufgibt
  • 12 Punkte Vorsprung eines Kämpfers (technische Überlegenheit)
  • Disqualifikation
  • Kann ein Kämpfer auf Grund eines erlaubten Wirkungstreffers nach 10 Sekunden (Anzählen durch den Kampfrichter) den Kampf nicht fortführen, so verliert er den Kampf
  • Wenn ein Kämpfer nach Ausschöpfung der Verletzungszeit den Kampf wegen einer Verletzung nicht fortführen kann oder ein Arzt dem Kampfgericht den Abbruch des Kampfes anrät, verliert er den Kampf, wenn die Verletzung nicht durch den Gegner verschuldet wurde

Jede Begegnung wird von drei Kampfrichtern (ein Hauptkampfrichter, zwei Seitenkampfrichter) betreut. Der Hauptkampfrichter leitet den Kampf und spricht ggf. Verwarnungen aus. Die Seitenkampfrichter werden jeweils einen der beiden Kämpfer (rot oder weiß) zugeordnet und bewerten nur dessen Techniken durch Handzeichen oder eine entsprechende Fahne. Nach der ersten Runde tauschen die Seitenkampfrichter den zu betreuenden Kämpfer. Die Bewertungen werden in Echtzeit auf eine Punktetafel am Kampfrichtertisch übertragen, so dass der aktuelle Punktestand immer abzulesen ist. Die Kommandos werden in deutsche Sprache ausgeführt, wobei „kämpft“ einen Kampf eröffnet und „stop“ einen Kampf unterbricht bzw. beendet.

Noch zu erwähnen ist, dass speziell für Interessenten des Bodenkampfes im Allkampf der "Ju-Jutsu Bodenkampf (Grappling)" mit einem eigenen Regelwerk angeboten wird. Hierzu und zu den oben erwähnten Regelen gibt es auf den Seiten des Allkampf (www.ju-jutsu-allkampf.de) noch mehr Infos.

Vorteile des Allkampf:
Durch den Vollkontakt besteht die Möglichkeit, heranstürmende Gegner durch Techniken zu stoppen. Im Fighting-System gibt es häufig die Situation, dass ein Gegner plötzlich heranstürmt, Scheinattacken in Part 1 (Schlag- und Trittdistanz) vollzieht, um seinen Gegner danach mit einem Wurf zu Boden zu bringen. Gerade bei Kämpfern aus dem Judo ist dies häufig der Fall, da Schlag- und Tritttechniken nicht immer ausreichend gut beherrscht werden. Im Fighting-System darf sich der Verteidiger lediglich mit Leichtkontakttechniken wehren, welche einen heranstürmenden Gegner definitiv nicht stoppen können. Auch im darauf folgenden Infight, also im Nahkampf, hat der Verteidiger nur Nachteile: er darf keine Schläge oder Tritte mehr ausüben, sodass auch hier Judokämpfer klar im Vorteil sind. Diese Regelungen im Fighting-System führen allerdings auch oft zum Unmut bei den Zuschauern, da - wie im Judo - beide Kontrahenten viel zu oft im Infight landen, wo ein "Geziehe und Gezerre" die Attraktivität des Sportes auf eine große Probe stellt.

Im Allkampf haben die Verantwortlichen derartige Vorkommnisse allein durch die Zulassung von Vollkontakttechniken unterbunden. Ein heranstürmender Gegner würde von harten Kick- und Boxtechniken empfangen und gestoppt werden. Gerade die tiefen Tritttechniken zu den Beinen (low-kicks) sind äußerst schmerzhaft und schaffen auf beiden Seiten einen großen Respekt. Daher sind im Allkampf Attacken durch derartig aggressive Judokas nicht zu beobachten. Auch für den Infight gilt im Allkampf der Einsatz von Tritt- und Schlagtechniken, daher ist auch ein Gegner in dieser Distanz nicht so einfach durch einen Wurf in die Bodenlage zu bekommen, wie im Fighting-System.

Eine der wichtigsten Vorteile des Allkampfs gegenüber dem Fighting-System ist zweifellos die wesentlich geringere Verletzungsgefahr. Im Ju-Jutsu Fighting-System sind Tritt- und Schlagtechniken zwar nur im Leichtkontakt erlaubt, Würfe werden allerdings grundsätzlich voll durchgezogen. Dabei ist folgende Situation Standard im Fighting-System: der Gegner stürmt auf seinen Partner mit einigen ablenkenden Schlägen und eher halbherzigen Tritten zu, packt ihn und will ihn werfen. Der Verteidiger reagiert in derartigen Situationen immer gleich, sperrt und verlager sein Gleichgewicht nach unten, um nicht geworfen zu werden. Der Angreifer versucht mit aller Kraft seinen Wurf durchzuziehen und schafft dies in der Regel auch - zu einem hohen Preis: der Verteidiger wird mit einer enormen Kraft auf den Boden geschleudert, kommt dadurch zumeist unkontrolliert zum Fall wobei sich der Angreifer häufig auf den noch im Fallen befindlichen Verteidiger wirft. Verletzungen treten in solchen Situationen sehr häufig auf und führen oft auch zum Abbruch des Kampfes. Im Allkampf wird dem Verteidiger durch den Vollkontakt und die Erlaubnis, auch im Infight Schlagen und Treten zu können, ein adäquates Mittel an die Hand gegeben, sich gegen solche Angriffe zu wehren. Daher kommt es so gut wie nie zu solchen harten Würfen.

Als Fazit hat der Vollkontakt im Allkampf für viele Wettkampfinteressierte zwar zunächst eine eher abschreckende Wirkung, unterstützt und schützt jedoch bei genauerer Betrachtung die Gesundheit eines Kämpfers. Außerdem lehnt sich der Allkampf wesentlich strukturierter an das Ju-Jutsu Prüfungsprogramm an, in dem es durch den Vollkontakt, durch die Einbindung fast sämtlicher Technikmöglichkeiten und durch den Einsatz der Techniken auf den gesamten Körper dem Realitätsgedanken des Ju-Jutsu gerecht wird.






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