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Gürtelprüfüngen
Unser Leben lang bestimmen kürzere oder längere Überprüfungen des Leistungsstandes (Wissen, Können, etc.) den wesentlichen Ablauf unseres Bildungswesens und unseres Lebens. Wollen wir im späteren Dasein Haus, Wohnung, Familie, Auto usw. finanzieren können, benötigen wir Geld. Dies ist eine der Intentionen unserer Arbeit. Je höher das Gehalt, umso qualifizierter die Arbeit, je qualifizierter die Arbeit, umso besser das Bildungsniveau, je besser das Bildungsniveau, umso besser die Schulbildung.

Auch im sportlichen Bereich bestimmen Prüfungen den Alltag. Zum Einen prüfen Trainer etwaige Spieler, die evtl. für höhere Aufgaben vorgesehen sind, zum Anderen finden Tests ihre Anwendung, um die Leistungen von Sportlern zu messen und - resultierend aus den Ergebnissen - evtl. Trainingskorrekturen vorzunehmen. In keinen anderen Sportarten erfreuen sich Prüfungen einer so großen Aufmerksamkeit, wie in den Kampfsportarten. Hier sind Prüfungen das, was sie sind: Überprüfungen des Wissens und des Könnens, wobei für viele Kampfsportler das Tragen des nächsthöheren Gürtels erstrebenswertes Ziel ist.

Jeder Kampfsportler unterliegt einer individuellen Entwicklung, deren Nahrung aus adäquat steigenden Anforderungen besteht, Diese Entwicklung ist durchaus vergleichbar mit der Entwicklung eines Kindes zum Erwachsenen, daher kann man die Kampfsportarten mit Recht auch als eine "Schule des Lebens" bezeichnen. Wo zu Beginn bei der Anfängerstufe alles noch spielerisch wirkt, wird es - je höher man kommt - ernsthafter und anspruchsvoller. Der Schüler wird dabei von seinem Trainer Schritt für Schritt in die Lebensrealitäten des betreffenden Systems unterwiesen. Prüfungen gehören dabei zu den Bewährungsproben beider Parteien, da sich der Entwicklungsstand des Schüler über seine Fortschritte definiert und der Trainer über die Richtigkeit des Weges seines Schülers Rückmeldung bekommt. Dabei ist nicht das Ziel des Weges entscheidend, sondern das "sich auf den Weg machen".

Grundsätzlich werden die Gürtelgrade in Anfänger- und Meisterstufen unterteilt. Anfängerstufen erkennt man an den farbigen Gürtelgraden, wobei helle Farben die niedrigsten und dunkele Gürtelfarben die höchsten Anfängerstufen darstellen. Die Reihenfolge der Gürtelgrade in der Anfängerstufe sieht folgendermaßen aus: gelb, orange, grün, blau, braun. Diese Reihenfolge variiert ein wenig in den unterschiedlichen Kampfsportarten, so z. B. existiert im Taekwon-Do kein orangener Gürtel, dafür gibt es Mittelstufen, wie z. B. gelb-grün oder eine Stufe zwischen dem braunen und dem schwarzen Gürtel, welche mit einem roten Gürtel gekennzeichnet ist. Bei den Meisterstufen gibt es keine farbliche Unterscheidung, sie sind fast alle Schwarz und werden auch "Dan-Grade" genannt. Hier gibt es hierarchisch nur die Unterscheidung in Zahlen, demnach ist der niedrigste Meistergrad der 1. Dan, gefolgt vom 2. Dan, dann der 3. Dan usw. Der 6. Dan ist in japanischen Kampfsportarten häufig rot-weiß gekennzeichnet, alle folgenden wiederum schwarz.

In der Sai-Fon Kampfsystemschule können Interessenten selbstverständlich Gürtelprüfungen ablegen, sofern sie dies wünschen und sofern dies notwendig ist. Notwendig werden Gürtelprüfungen immer dann, wenn die Teilnahme an Wettkämpfen Ziel des Trainings ist, da im Ju-Jutsu bestimmte Gürtelfarben die Voraussetzung an der Teilnahme bestimmter Turniere ist.

Anmerkungen:

Sicherlich ist eine der Intentionen von Gürtelprüfungen die Verbesserung der inneren Eigenschaften eines Schülers. Diese durch die Japaner und deren asiatischen Lebensstil geprägte Normen und Werte stehen jedoch im Gegensatz zu den in Deutschland vorherrschenden Ansichten über Moral und Ethik. In Deutschland bescheinigen zum größten Teil Lizenzen und Urkunden unseren Status. Uninteressanter scheint die Art der Beschaffung dieser Auszeichnungen zu sein, wie wir persönlich an den Anforderungen reiften und über welche tatsächliche Kompetenz wir verfügen. Äußerliche Faktoren entscheiden über unser Ansehen bei anderen Menschen. Eine der Standardfragen an Kampfkünstler bzw. Kampfsportler ist die nach ihrem Gürtelgrad. Je nach Antwort fällt entsprechend die Einteilung in Anfänger, Fortgeschrittener oder Meister aus. Außer Acht gerät die bereits erbrachten Leistungen, die persönliche Motivation, die individuellen Fortschritte und die Reifung des Charakters.

Gürtelprüfungen in Deutschland beinhalten also die Überprüfung des technischen Standes eines Sportlers zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt. Nur zum Zeitpunkt der Prüfung verfügt der Prüfling über das höchste Wissensspektrum. Viele Schüler (aber auch Meister) laufen jahrelang mit dem gleichen Gürtelgrad herum und es ist anzunehmen, dass die betreffenden Personen viel von ihrem eigentlich Wissen verloren haben. Daher kann nicht grundsätzlich die Aussage getroffen werden, dass ein Schwarzgurtträger automatisch gut sein muss (im Sinne von: so gut, wie bei der Prüfung), vielmehr ist der Standard eines jeden Kampfsportlers von seiner Motivation (z. B. Häufigkeit des Trainings, Intensität des Trainings), von seiner Offenheit und von seinen Lernmöglichkeiten (Intelligenz, Auffassungsvermögen, Besuch von Weiterbildungsmöglichkeiten, usw.) abhängig. Diese Werte erkennt man jedoch nicht an der Gürtelfarbe was zeigt, wie problematisch es ist, einen Kampfsportler lediglich nach der Farbe seines Gürtel bewerten bzw. beurteilen zu wollen.

Kritisch anzumerken ist der häufig hergestellte Zusammenhang von Gürtelprüfungen und realistischer Selbstverteidigung. Hier stellt sich die Frage, ob der vorhandene Gürtelgrad mit der Fähigkeit, sich in Selbstverteidigungssituationen zu behaupten, gleichzusetzen ist. Ist also ein Schwarzgurt - egal von welchen System - geübter im Streetfighting als ein Gelbgurt? Für die Beantwortung der Frage muss ein kurzer Blick auf den Ablauf von Gürtelprüfungen geworfen werden: ein Prüfling zeigt vor einem Prüfungskomitee genau einstudierte und mit seinem Partner fest abgesprochene Bewegungsabläufe, die weder Ansprüche an die Spontanität noch an die Realitätsnähe eines Ernstfalles stellt. Weiterhin möchte natürlich jeder Partner eines Prüflings, dass dieser seine Prüfung erfolgreich absolviert. Dementsprechend vorsichtig wird er während der Prüfung mit dem Prüfling umgehen. Eine Prüfung hat also keine Berührungspunkte mit der Realität der Straße und ist eine Art "Show", in der die Sportler ihr Technikrepertoire in eine vorher festgelegte Form zeigen. Eine Kausalität zwischen dem Gürtelgrad eines Sportlers und dessen Fähigkeiten im Streetfighting kann also nicht hergestellt werden. Ein Sportler kann also gute Fähig- und Fertigkeiten besitzen, ohne eine Gürtelprüfung abgelegt zu haben.

Trotz aller Kritik gilt: jeder soll seinen Spaß haben, sich Ziele setzen und das machen, was für ihn Sinn macht. Für viele gehören Gürtelprüfungen zum Kampfsport einfach dazu und diese Möglichkeiten müssen gegeben sein. Es liegt eben auch im Geschick des Trainers eine gute Mischung zwischen Gürtelprüfungen und der Realität von Techniken im Bezug auf das Streetfighting entstehen zu lassen. Außerdem sollten Gürtelprüfungen nicht zu einer "Vereinslegitimation" verkommen, bei der die Schüler nur noch Gürtelprogramm pauken - gleiches gilt natürlich für den Wettkampf. Regel ist: jedes einseitige Training schafft eintönige Schüler - je breiter das Spektrum, umso vielfältiger die Entfaltungsmöglichkeiten der Schüler und umso besser ihr Wissen und Können!






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